
Seoul
Beijing - Seoul 970 km
Sonntag, 06.11.2005 Ankunft in Seoul
Montag, 07.11.2005 1. Konzert Seoul Arts Center (Eroica)
Dienstag, 08.11.2005 2. Konzert Seoul Arts Center (Heldenleben & Asyla)
Mittwoch, 09.11. 2005 Weiterflug nach Shanghai
Weblog-Eintrag vom 06.11.2005, Alberto Venzago
Gestern haben wir vier Kameramänner für die Probe von Adès Asyla „freibekommen“. Wir sitzen auf den besten Plätzen im Auditorium. Was für ein Moment! Bis jetzt habe ich die Musiker nur durch den Sucher gesehen, d.h. alles reduziert sich in dieser beschränkten Sucher-Welt auf den Abbildungsmaßstab des Objektives und die Blende-Zeit-Kolleration.
Und jetzt diese Totale. Keine Pixel. Alles Wirklichkeit. Zum ersten Mal spüre ich das Ausmaß, die Kraft dieser Musik, ohne Kopfhörer und ohne Anweisungen des Regisseurs, die mich manchmal aus Sekundenträumen in die Wirklichkeit holen: „Näher zu den Hörnern, gib‘ mir die Pauke, jetzt kommt gleich der Streichereinsatz, bleib‘ auf dem Konzertmeister...“
Ich schiele zu Anthony rüber. Auch ihm fallen Tränen runter. Sie hat uns, die Magie der Musik. Gestern entdecke ich im Publikum während „Heldenleben“ von Richard Strauss einen 10jährigen Chinesenjungen, der die Augen geschlossen hält, entrückt wie in Trance. Ich bin berührt. Ist das die völkerverbindende Übersprache der Musik? Ist das der kulturelle Brückenschlag? Beim Näherzoomen entdecke ich seinen Gameboy.
Weblog-Eintrag vom 08.11.2005, Klaus Wallendorf
„Es wäre schön vom lieben Herrjott / ließ´ er mich schlafen, hier im Marriott“, schoss es mir durch den überwachen Schädel. Das war gegen 4 Uhr 30, und durch die tagsüber so hermetisch dichten Hotelfenster konnte man mühelos die rückwärts fahrenden Baustellen-Fahrzeuge von den vorwärts fahrenden unterscheiden, am Piepsen. Was die da wohl bauen, nachts? In Seoul steht schon so viel. In Peking hätte man´s durch den Smog gar nicht erst erkennen können. Dort haben wir zwei Proben und zwei Konzerte bewältigt, die Große Mauer besucht, die Ming-Gräber, die Verbotene Stadt, Starbucks, das Restaurant „Le Quai“ gegenüber dem Werktätigen-Stadion…ah ja, dorthin hatte uns mein alter Freund (Don) Huang eingeladen, es gab Erlesenes und Gesottenes…
Unseren „Kinesen an der Ecke“ kann und muss man nach einem solchen Mahl einfach für lange Zeit vergessen. Der Konzertsaal hängt voller Schilder, denen man z.B. entnehmen kann, dass “Smoking and fighting is prohibited; please observe public morality in the theatre“ und wer dort schon so alles außer uns aufgetreten ist: „The Australian Tip-Tap Dog Dance Troupe“ etwa, „The Russia Red Hag Fast East Military Song and Dance Group“ oder der „Air Force Blue Sky Art Kindergarten“.



