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Der Soundtrack

Der Soundtrack von Simon Stockhausen erscheint gemeinsam mit dem Remix-Album am 28. Februar als Doppel-CD.

Der Klang-Komponist Simon Stockhausen hat die Reise mit seinen Mikrofonen begleitet, um sich von den Originalklängen Asiens inspirieren zu lassen und die Filmmusik daraus zu komponieren. Dabei wird jedes Geräusch zum Klang, jeder Klang zu Musik. Das Ergebnis ist wie ein Sog: beeindruckend und von großer atmosphärischer Wirkung. Simon Stockhausens Filmmusik garantiert eine unvergessliche, sinnliche Reise. Augen zu und ab geht‘s - hinein in die aufregende Fremde Asiens.

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Hier können Sie sich exklusiv zwei komplette Tracks aus dem Soundtrack-Album von Simon-Stockhausen anhören:

01. Simon Stockhausen - Beijing Bells

Beim ersten Stück handelt es sich um den "Titel-Song" von TRIP TO ASIA: 'Beijing Bells' erzeugt eine soghafte Wirkung, lässt die Kino-Sessel beben und schafft die Grundstimmung für ein überwältigendes Kinoabenteuer.

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12. Simon Stockhausen - Children's Prayer

Das zweite Stück 'Children's Prayer' (Track 12 auf dem Soundtrack) nimmt auf beeindruckende Art und Weise Original-Klänge Asiens auf - in diesem Fall eine betende Schulklasse - und verwandelte sie in eine komplett neue und eigenständige Musik.

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Simon Stockhausen über seine Filmmusik

Das Malen mit Klängen und deren Herauslösung aus ihrem ursprünglichen Kontext ist Klangkunst. Die Aufhebung der Unterscheidung „Geräusch“ und „Musik“ ist Voraussetzung für diese Herangehensweise: Alles ist Musik, jeder Klang hat eine Tonhöhenverlauf und einen Rhythmus, der als Gerüst für eine Komposition dienen kann. Die Aufnahme ist dabei ebenso wichtig wie die Nachbearbeitung, denn Mikrophone sind Musikinstrumente, die mehr hören können als das menschliche Ohr.

Seit vielen Jahren verfolge ich in meiner Musik immer wieder das O-Ton-Prinzip. Darin versuche ich, Klangaufnahmen so zu belassen wie ich sie „gefunden“ habe, und nach der tontechnischen Aufbereitung weiter zu vertonen. Die Aufnahme wird auf ihre rhythmischen und harmonischen Charakteristika analysiert und das Dazukomponierte folgt den Vorgaben der Fundstücke.

Ich nehme z.B. eine fünfminütige Aufnahme von singenden Nonnen in Taipei, unterlege die pentatonischen Gesänge mit elektronisch erzeugten, ständig modulierenden Akkorden und aus dem Material gewonnenen rhythmischen Elementen und gebe dem Gesang dadurch eine andere harmonische Richtung. Der schwankende Rhythmus der Sängerinnen wird übernommen, anstatt die einzelnen Teile an ein von mir vorgegebenes Tempo anzupassen, und die Melodien der Nonnen werden mit Naturinstrumenten begleitet bzw. ergänzt.

Eine andere Methode ist z.B. das Herausarbeiten von in gefundenen Klängen enthaltenen Frequenzen, die für unsere Ohren normalerweise nicht hörbar sind. Mittels Filterung, zeitlicher Spreizung oder Stauchung und Transposition eröffnen sich Klangwelten, die auch nach all den Jahren des Sampelns und der Klangmanipulation immer noch wie eine Wunderwelt auf mich wirken. Es ist wie der Gebrauch einer akustischen Lupe, mit deren Hilfe man verborgene Töne im Mikrokosmos der gefundenen Klänge hörbar machen kann.

Ein paar Layouts für Trip To Asia sind schon auf der Reise in den diversen Hotelzimmern während schlafloser Nächten entstanden, wobei es sich dabei eher um Klangcollagen handelte, die nur wenige hinzugefügte Klänge enthielten. Nach unserer Rückkehr habe ich zuerst die dreiminütige Aufnahme  einer Schulklasse vertont, die ich auf der chinesischen Mauer gefunden hatte. Die Mädchen und Jungen rezitierten, von ihrem Lehrer angefeuert, ein Gedicht für mich und fühlten sich von den unübersehbaren Richtmikrophonen animiert.

Children‘s Prayer heißt das Stück jetzt, und es war für mich sozusagen der Ausgangspunkt für diese Arbeit. Dann habe ich immer mehr Feinheiten herausgearbeitet, einiges wieder verworfen und Thomas Grube mit diesen Layouts versorgt. Bis zum Sommer 2006 entstanden so etwa 30 verschiedene Stücke, von denen ein Großteil im Film gelandet ist, dem Bildschnitt angepasst, teilweise auch wieder komplett verändert.

In Hong Kong habe ich eine Bettlerin in einer Straßenunterführung gefunden. Da meine Richtrohmikrophone sehr weit hören können, hörte ich die unschuldige Melodie schon lange, bevor ich den U-Bahn-Schacht überhaupt betrat. Ich näherte mich vorsichtig, und da stand sie: Eine kleine, zarte Frau mittleren Alters mit einem Mikrophon, das an einen alten Gitarrenverstärker angeschlossen war. Als sie mich sah, lächelte sie unendlich freundlich, begann sogar ein wenig zu tanzen und sang so wunderschön … Nach etwa vier Minuten warf ich ein paar Münzen in ihren Becher – sie sagte immer wieder „thank you, thank you“: dieses Ostinato wird am Ende der Bettlerinmusik auf der Soundtrack-CD zu hören sein – und entfernte mich, während sie ihren Gesang wieder aufnahm. Ich verließ die Unterführung und der tosende Straßenlärm Hongkongs überspülte den zarten Gesang.

Am nächsten Tag habe ich die Unterführung noch einmal besucht und traf dort einen Bettler ohne Beine, der seinen mit ein paar Münzen gefüllten Becher schüttelte. Auch diese Aufnahme ist eingeflossen und bildet das rhythmische Gerüst des Stückes Hongkong Beggar. Ich habe dann später eine elektronisch erzeugtes Arpeggio-sequenz mit diesem Becherostinato moduliert, was der Musik eine eigenartige rhythmische Struktur verleiht.

Die Aufnahmen habe ich bis auf einen Schnitt nach dem O-Ton-Prinzip vertont. Und ich würde alles geben, diese Bettlerin wiederzufinden, um sie zur Filmpremiere einzuladen.

Der Soundtrack erscheint zum Kinostart.